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Das Fichtelgebirgslied

Bei der Einweihung des "Asenturmes" auf dem Ochsenkopf am 26.8.1923 sangen die vereinigten Chöre von Bischofsgrün ein Lied, das bis dahin in der Bevölkerung weitgehend unbekannt war, von nun an aber auf ein großes Interesse stieß. Text und Noten erschienen auf einer zeichnerisch illustrierten Doppelpostkarte, die die Buchhandlung Wunschheim in Wunsiedel herausgegeben hatte. Es handelte sich um das Fichtelgebirgslied, das nun einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte, waren doch immerhin 4000 Wanderer zum Einweihungsfest des Asenturmes erschienen. "Kennst du die Berge in Deutschlands Herz, gelagert rings im Kreise..." sang man dann auch in Schulstuben, denn NS-Gauleiter Hans Schemm hatte das Lied zum "offiziellen" Fichtelgebirgslied ernannt und es 1933/34 "amtlich" an den oberfränkischen Schulen einführen lassen. Verfolgen wir nun die geschichtliche Entwicklung des Liedes, das auch heute noch bei Wiesenfesten oder offiziellen Anlässen gesungen wird.
Am Nordfuß des Ochsenkopfes liegt der beliebte Ferienort Bischofsgrün, der heute das Prädikat "Heilklimatischer Kurort" trägt. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts war er Anziehungspunkt für "Sommerfrischler", wie man den Urlaubsgast damals nannte. Einer dieser Urlauber war Hauptlehrer Jsaak Eckardt aus Nürnberg, der seine erholsamen Tage mit Familie regelmäßig im Ortsteil Fröbershammer verbrachte und im Hammerherrenhaus, einem heute noch bestehenden Gastbetrieb, logierte. Bei seinen Wanderungen rund um den Ochsenkopf kam er auch oft nach Grassemann. Der idyllisch gelegene Weiler im südlichen Ochsenkopfgebiet gehörte damals zur politischen Gemeinde Bischofsgrün, wurde erst 1938 zur damals selbständigen Gemeinde Oberwarmensteinach umgemeindet. In Grassemann bestand im "Gasthaus zum Ochsenkopf" (jetzt "Wirtshaus auf'm Grassemann") eine zwanglose Gesellschaft aus Bewohnern von Bischofsgrün, Warmensteinach, Fichtelberg und Sommergästen, die sich "Grassemania" nannte, sich jeweils donnerstags traf um zu musizieren und zu singen. Da bekannt war, daß Herr Eckardt schon verschiedene Lieder komponiert hatte, wurde der Wunsch an ihn herangetragen, er möge doch der Gesellschaft ein Fichtelgebirgslied stiften. Lehrer Eckardt war grundsätzlich einverstanden, bat aber darum, daß man ihm einen entsprechenden Text liefern möge, was Pfarrer Friedrich Greber von Bischofsgrün auch zusagte. Nach einem Schild im Gasthaus Grassemann war es das Jahr 1897, als Eckardt das Lied "Kennst du die Berge in Deutschlands Herz..." bei seinem Urlaubsbesuch mitbrachte, Text und Melodie stammten ausschließlich von ihm. Aber auch das von Greber zugesandte Lied "Im Herzen Deutschlands winkt ein schlanker Wald...." hatte er vertont. Wegen seiner "anheimelnden Melodie" fand das Eckhardtsche Lied einen größeren Zuspruch und wurde von der "Grassemania" gerne gesungen. Übrigens: das Lied wurde zunächst als Marsch komponiert, später erst als Heimatlied umgeschrieben. Das Fichtelgebirgslied scheint dann wieder weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein, denn nach dem Ersten Weltkrieg forderte die Lehrerschaft in Bischofsgrün, ähnlich wie in anderen Gegenden Bayerns ein eigenes Heimatlied zu schaffen. Da erinnert man sich wieder an das Lied, das so oft in Grassemann gesungen wurde. Oberlehrer Seidel in Bischofsgrün setzte das Lied für drei Kinderstimmen, es wurde auf einer Doppelpostkarte abgedruckt und dann bei der Einweihung des "Asenturmes" erstmals öffentlich dargeboten.

Der Dichter des Liedes Jsaak Eckardt konnte den Erfolg "seines" Fichtelgebirgsliedes nicht mehr miterleben, er war 1914 verstorben. Seinem Sohn, Oberpostmeister Gustav Eckardt aus Treuchtlingen, verdanken wir die künstlerische Gestaltung der Postkarte. Die Familie Eckardt hat seinerzeit den Betrag für die Verlagsrechte dem Fond für die Erbauung des Asenturmes zur Verfügung gestellt.

Im Juli 1998 besuchte Frau Anni Eckardt aus Nürnberg die Luisenburgfestspiele und stattete auch dem Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel einen Besuch ab. Sie brachte einige Unterlagen aus dem Familienarchiv mit, darunter befanden sich die Originalnoten des Fichtelgebirgsliedes. Ich habe mich mit Frau Eckardt sofort in Verbindung gesetzt und nach Übersendung weiterer Unterlagen war es mir dann möglich, Einzelheiten aus der Entstehungsgeschichte des Liedes zusammenzustellen, die bis jetzt nicht bekannt waren. Frau Eckardt war nicht bekannt, daß das Fichtelgebirgslied auch heute noch bei uns einen hohen Stellenwert hat und bei vielen Anlässen gesungen wird. Die Originalunterlagen wurden in den Bestand des Fichtelgebirgsmuseums aufgenommen

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